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Das digitale Kinderzimmer – Sicherheit am Babybett

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Von der Erfindung der Glühbirne zum digitalen Kinderzimmer

Vor 138 Jahren erfand Thomas Edison die Glühbirne (1879) und mit dieser Erfindung verändert Edison die Welt fundamental. Es ist imposant und zugleich auch beängstigend wie sehr Elektrizität unser Leben verändert hat. Besonders im letzten Jahrzehnt ist die Digitalisierung voran geschritten wie niemals zuvor. Das neue Zeitalter bringt viele Vorteile mit sich, aber auch viele Nachteile. Der Nachteile sind sich viele Menschen, ganz besonders Eltern, aber oft gar nicht bewusst.

Die Babyausstattermesse Kind+Jugend zeigt es ganz deutlich, die Digitalisierung macht vorm Kinderzimmer nicht halt

Auf der Kind+Jugend stellen 1.230 Hersteller aus rund 50 Ländern ihre digitalen Neuerungen vor. Es gibt Kindersocken die den Puls messen und Fieber-Thermometer die via Bluetooth die gemessenen Daten an das Smartphone der Eltern senden und das im Minutentakt. Geräte die die Atmung und die Bewegungen der Babys im Schlaf überwachen, Luftmessgeräte, Baby- und Videophones, Kameras mit Infrarot-Nachsicht, etc pp.

Und diese digitalen Helfer werden immer gefragter und angesagter. Zum Start der Messe sagt die Koelnmesse-Sprecherin Peggy Krause: „Die Digitalisierung, die überall Einzug hält, ist auch im Kinder- und Babybereich ein wachsendes Feld, das dürfte in den nächsten Jahren noch zulegen.“

Ich denke hier spielen gleich mehrere Faktoren zusammen. Der Wunsch nach Sicherheit war selten so groß wie jetzt. Und Eltern erhoffen sich durch ein digitales Kinderzimmer dieses übersteigerte Sicherheitsgefühl zu befriedigen. Mit zielgerichteter Werbung für diese Artikel treffen die Hersteller einen Nerv. Ich glaube, Eltern werden dadurch verunsichert und bekommen zusätzlich auch noch das Gefühl vermittelt, keine guten Eltern zu sein, wenn sie solche Produkte nicht nutzen.

Schutz und Geborgenheit vs. elektromagnetische Strahlung

Die Hersteller werben mit Sicherheit, Schutz und Komfort.  Auf die Gefahren, die die Geräte mit sich bringen verweisen die Hersteller natürlich nicht. Der Arzt, Forscher und Experte für elektromagnetische Strahlung Dr. Robert Becker, der bereits zwei Mal für den Nobelpreis nominiert war.

Dr. Becker ist Autor des Buchs „Cross Currents: The Perils of Electropollution“, er äusserst sich sehr besorgt über Elektrosmog. „Ich habe keinen Zweifel daran, dass der grösste weltweite Umweltverschmutzungsfaktor im Augenblick die Ausbreitung elektromagnetischer Felder ist. Ich halte das für weitaus bedenklicher als die Globale Erwärmung […] und die Vermehrung von Chemikalien in der Umwelt.“

Demnach also mehr als bedenklich, zumal die Geräte ja oft auch noch rundherum ums Baby- oder Kleinkind-Bett trapiert werden. Stromleitungen, Sendemasten, Kabel, Geräte, etc. erzeugen elektronische und magnetische Felder. Die elektromagnetische Strahlung (EMR) ist heute 100 bis 200 Millionen mal stärker als noch vor 100 Jahren.

Sendemast

By KlaaschwotzerOwn work, CC BY-SA 4.0, Link

Hinzu kommt der explosionsartige Anstieg der drahtlosen Technologien, Handys, Bluetooth, Wlan und auch hier nicht zu vergessen, die dazugehörigen Sendemasten. Unzählige wissenschaftliche Studien belegen: Viele Gesundheitsprobleme werden mit EMR in Verbindung gebracht, einige Krebsarten, Fehlgeburten und Missbildungen. Auch chronische Müdigkeit, Kopfschmerzen, Stress, Schwindel, Lernstörungen, Schlaflosigkeit, sind eine Folge von EMR.

Das Immunsystem ist im Schlaf reduziert tätig, unser Körper ist also im Schlaf deutlich anfälliger als im wachen Zustand. In der Schlafphase können die Magnetfelder also in unseren Körper eindringen und die Nervenbahnen stören. Die vielen elektrischen Helfer bieten also nicht nur Schutz, sondern bergen auch unsichtbare Gefahren und Risiken.

Instinkt und Bauchgefühl gehen verloren

Ein weiterer m. E. wichtiger Aspekt ist, dass Eltern durch die Geräte regelrecht verlernen sich auf ihren Instinkt und ihr Bauchgefühl zu verlassen. Die Mütter, die ich kenne, wissen mit einem Blick, ob es ihrem Kind gut geht oder nicht. Eine Mutter braucht kein elektronisches Hilfsmittel, das Alarm gibt, sie weiß es instinktiv. Umso schlimmer finde ich die große Verunsicherung der Eltern, die das digitale Kinderzimmer mit sich bringt.

Unsere Ursprünglichkeit geht immer mehr verloren. Die Natur gibt all ihren Lebewesen, ob Mensch oder Tier, all das benötigte Rüstzeug mit, um sich fortzupflanzen und den Nachwuchs groß zu ziehen. Wir brauchen uns nur in anderen Kulturen umzusehen, die machen es uns vor und das mit einer wunderbaren Leichtigkeit. In vielerlei Hinsicht ist die westliche Welt sehr fortschrittlich, keine Frage. Aber nicht hinsichtlich ihrer Natürlichkeit.

Nur in der westlichen Welt schlafen Kinder in eigenen Betten, in einem anderen Zimmer, werden in Kinderwagen, Maxi-Cosis und Buggies gepackt. In Afrika und Asien tragen die Frauen ihre Kinder ganz selbstverständlich immer am Körper. Entweder in Tragetüchern oder auf den Armen. Nähe, Wärme und Körperkontakt zwischen Mutter und Kind sind völlig selbstverständlich. In diesen Kulturen müssen die Kinder auch nicht alleine in einem Zimmer schlafen, die ganze Familie schläft in einem Raum und das schafft Sicherheit und Geborgenheit, die ein Apparat niemals ersetzen kann.

Wir Westler sollten uns ein Beispiel an dieser Ursprünglichkeit nehmen. Anstatt die Kinderzimmer digital aufzurüsten sollte unser erklärtes Ziel sein, zu unserer Ursprünglichkeit zurückzukehren und unsere Kinder mit menschlicher Nähe und Geborgenheit groß zu ziehen. Und die digitalen Helfer die Vorteile, Komfort und Annehmlichkeiten schaffen in anderen Bereichen unseres Lebens zu etablieren.

Quelle: heise.de

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